Starkbierfest-2017

"Erstens Durst, zweitens heiter, drittens alles wurscht"

Lenting (grs) Derblecken über der Gürtellinie: Der Weggang der evangelischen Kirche und die Diskussionen um das Gewerbegebiet sind beim 36. Starkbierfest der Lentinger CSU in der Alten Turnhalle ausnahmsweise einmal von der humorvollen Seite betrachtet worden.

Es standen zwar keine historischen Steinkrüge auf den Tischen, doch der Inhalt lief auch aus Halbegläsern ganz ordentlich: Nach der Begrüßung durch den CSU-Vorsitzenden Anton Rieger und den ersten Proben von Bockbier und Griebenschmalzbrot kam Heidi Conradt mit ihrem von der historischen Lentingerin ausgeliehenen Namen Argula auf die Bühne, um auf ihre Weise einzuschenken. Sie tat es wie seit vielen Jahren - gelegentlich stichelnd, aber immer oberhalb der Gürtellinie.
Das hinderte Argula nicht daran, gleich in Richtung der Nachfolger Luthers zu bohren: Das Ende der evangelischen Kirche Am Schanzl und der Weggang von Lenting nach Kösching wollte ihr nicht eingehen. Ob auf den frei werdenden Platz nun eine Moschee kommt, ließ sie offen. Der Vergleich von Berlin und Lenting mit schier endloser Bauzeit des Flughafens beziehungsweise der Sanierung der Alten Landstraße kam beifällig an, ebenso die Einmischung der Stadt Ingolstadt in die Planung der Gemeinde Lenting zum Gewerbegebiet Ost. "Die Stadt hat da nix zu verhindern, das mach' ich schon selber", legte sie dem Bürgermeister in den Mund.
Zu den Planungsideen für den nördlichen Straßenkreisel fand Argula den Kommentar "folká †loristischer Mumpitz". Zum Anspruch aus Hepberg auf den überlieferten Spitznamen des "Stoabeißers" lieh sie sich die Worte des US-Präsidenten Donald Trump - "Lenting first" - aus und schlug die Errichtung einer Mauer zwischen Lenting und Hepberg vor. Gemäß ihrer Einleitung "erstens Durst, zweitens heiter, drittens alles wurscht" löste sie weit über eine halbe Stunde so manche Lachsalven aus.
An diese Vorgabe hielt sich auch "Bäff", der aus der Oberpfalz angereiste Humorist Josef Piendl. Er sah gleich "lauter schöne Leut'" im Saal und unterhielt sie mit einer offenbar unerschöpflichen Fülle von netten Witzen, heimatlichen Liedern mit eigener Gitarrenbegleitung sowie Gstanzln - echt oberpfälzisch und mit Texten mit und ohne das typische "wou, dou". Am Ende verbreitete sich Abschiedsstimmung. Als nämlich - wie an solchen Abenden gewohnt - Pfarrvikar Benjamin Pereira als Gastdirigent der Trachtenkapelle auf die Bühne kam, gab er bekannt, dass es sein letzter Auftritt sei. Er kehre in wenigen Monaten heim nach Indien. Der beliebte Geistliche wurde in allen Ehren von CSU-Chef Anton Rieger, Kapellmeister Johann Schneeberger und vielen seiner Bekannten verabschiedet.
Nach Berlin fährt indes ein glücklicher Gewinner: Gerhard Sichert brachte das Kunststück fertig, beim traditionellen Schinkenschätzen mit seinen 1723 Gramm nur ein Gramm darüber zu liegen. Ein Volltreffer im örtlichen Veranstaltungskalender war der Starkbierabend wieder für die CSU. Vorsitzender Rieger war zufrieden, lobende Worte gab es von Bürgermeister Christian Tauer (SPD) und den fröhlich feiernden Gästen. "Ich bin sehr überrascht", gab Carola Klages zu. Sie ist die aktuelle Schützenkönigin der Schützengesellschaft Lenting und versprach nach ihrem ersten Mal beim Starkbierbest: "Natürlich geh' ich da wieder hin."

Von Hans Greis